Gold bei rund USD 4.000 je Unze: Kaufen oder Finger weg?
Gold ist wahrscheinlich das einzige Investment der Welt, das seit über 5.000 Jahren überlebt hat, obwohl es weder Dividenden zahlt noch Zinsen erwirtschaftet.
Die Geschichte des Goldes: Gold erfüllt seit Jahrtausenden drei klassische Geldfunktionen:
1. Recheneinheit
Über viele Jahrhunderte wurden Preise in Gold oder Goldäquivalenten angegeben. Heute übernimmt diese Funktion praktisch ausschließlich staatliches Geld (Dollar, Euro usw.). Niemand bezahlt seinen Kaffee mit 0,000008 Feinunzen.
Fazit: Diese Funktion hat Gold heute weitgehend verloren.
2. Zahlungsmittel (Währung)
Unter dem klassischen Goldstandard war Gold faktisch die Basis des internationalen Währungssystems. Mit dem Ende von Richard Nixons Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars im Jahr 1971 verschwand diese Funktion weitgehend.
Heute ist Gold:
- keine gesetzliche Währung und kaum Transaktionsmittel,
- aber weiterhin international akzeptierter Vermögenswert.
3. Wertaufbewahrung
Hier liegt Golds eigentliche Stärke. Seit Jahrtausenden besitzt Gold Eigenschaften, die kaum ein anderes Gut gleichzeitig erfüllt:
- knapp,
- nahezu unzerstörbar,
- weltweit akzeptiert,
- nicht beliebig vermehrbar und auch nicht künstlich herstellbar
- frei von Ausfallrisiken.
Kein Staat kann Gold „nachdrucken“. Genau deshalb halten praktisch alle großen Zentralbanken erhebliche Goldreserven, auch als Back-up für evtl. Währungskrisen.
Bull Case
1. Staatsschulden steigen immer weiter
Fast alle westlichen Staaten weisen inzwischen historische Schuldenstände auf. Historisch wurden solche Schulden häufig auf drei Arten reduziert:
- Inflation, finanzielle Repression oder Währungsabwertung.
Gold profitiert langfristig von allen drei Entwicklungen.
2. Zentralbanken kaufen weiter Gold
Seit mehreren Jahren kaufen Zentralbanken netto erhebliche Mengen Gold.
Besonders aktiv sind: China, Indien, Türkei, Polen, verschiedene Schwellenländer.
Damit wird Gold zunehmend unabhängiger von westlichen ETF-Investoren.
3. Geopolitik
Ukraine. Naher Osten. China/Taiwan.
Weltweit nimmt die geopolitische Unsicherheit zu. Gold bleibt der klassische „Safe Haven“.
4. Gold besitzt kein Gegenparteirisiko
Eine Staatsanleihe kann ausfallen. Eine Bank kann insolvent werden. Eine Aktie kann wertlos werden. Eine Feinunze Gold bleibt eine Feinunze Gold.
5. Portfolio-Diversifikation Gold weist langfristig nur eine geringe Korrelation zu Aktien auf.
Gerade in Krisenjahren verbessert Gold häufig das Rendite-Risiko-Profil eines Portfolios.
Bear Case
1. Gold produziert keinen Cashflow Der größte Nachteil. Gold erwirtschaftet:
- keine Gewinne,
- keine Dividenden,
- keine Zinsen,
- kein Umsatzwachstum.
Der Ertrag entsteht ausschließlich dadurch, dass später jemand dafür noch etwas bezahlt, im besten Falle mehr. ABER ES IST EBEN NOCH ETWAS DA!
2. Hohe Opportunitätskosten
Steigen die Realzinsen, wird Gold häufig unattraktiver. Genau das sieht man aktuell.
Ein stärkerer Dollar und die Aussicht auf länger hohe US-Zinsen haben den Goldpreis nach seinem Rekordhoch deutlich belastet. Die könnte allerdings nur vorübergehend sein
3. Historisch lange Seitwärtsphasen
Gold ist keineswegs immer ein Gewinner. Beispiele:
- 1980 bis Anfang der 2000er Jahre
- 2011 bis 2018 Teilweise vergingen über zehn Jahre ohne neue Höchststände.
4. Bewertungsfrage
Nach dem massiven Anstieg bis über 5.500 USD Anfang 2026 notiert Gold inzwischen wieder um 4.000 USD. Der World Gold Council hält dieses Niveau derzeit für weitgehend mit dem makroökonomischen Basisszenario vereinbar und sieht ohne neuen Auslöser eher eine Seitwärtsbewegung im Bereich von etwa ±5 %. ABER WER WILL DAS SCHON VORHERSAGEN?!
Sollte man Gold bei rund USD 4.000 kaufen?
Argumente dafür
- hohe Staatsverschuldung,
- geopolitische Risiken,
- Zentralbankkäufe,
- langfristiger Inflationsschutz,
- Diversifikation.
Argumente dagegen
- keine laufenden Erträge,
- höhere Realzinsen bleiben Gegenwind,
- nach der Rally der vergangenen Jahre ist Gold nicht mehr günstig,
- kurzfristig könnte der Preis bei einer dauerhaft straffen Geldpolitik durchaus weiter unter Druck geraten.
Fazit
Ich würde Gold weder als Spekulation noch als Renditeinvestment betrachten, sondern als Versicherung. Man kauft eine Gebäudeversicherung nicht, weil man hofft, dass das Haus abbrennt. Man kauft sie, weil der Schaden existenzbedrohend wäre. Für viele langfristige Anleger erfüllt Gold dieselbe Funktion im Portfolio.
Bei einem Preis von rund USD 4.000 erscheint Gold nach den jüngsten Rückgängen nicht offensichtlich überbewertet, aber auch kein Schnäppchen. Wer Gold bisher gar nicht besitzt, kann einen schrittweisen Aufbau einer Position rechtfertigen. SPARPLAN
Wer bereits eine strategische Allokation von etwa 5 bis 10 % des Vermögens hält, hat aus meiner Sicht keinen zwingenden Grund, diese allein wegen des aktuellen Preisniveaus deutlich auszubauen.
Der Grund ist einfach: Produktive Vermögenswerte schaffen laufend neuen Wert. Gold bewahrt Wert. Bitcoin könnte langfristig ebenfalls Wert bewahren, muss diese Rolle aber über viele Jahrzehnte erst noch dauerhaft unter Beweis stellen.
ANHANG : Bitcoin versus Gold
| Merkmal | Gold | Bitcoin |
| Historie | über 5.000 Jahre | seit 2009 |
| Knappheit | begrenzt | maximal 21 Mio. Coins |
| Physisch | Ja | Nein |
| Transport | teuer | nahezu kostenlos |
| Teilbarkeit | begrenzt | nahezu beliebig |
| Inflation | ca. 1 bis 2 % p.a. durch Förderung | fest definiert |
| Volatilität | moderat | sehr hoch |
| Zentralbankreserven | Ja | kaum |
| Industrielle Nutzung | Ja | Nein |
Bull Case Bitcoin
Bitcoin besitzt Eigenschaften, die Gold teilweise überlegen sind:
- mathematisch definierte Knappheit,
- weltweit sekundenschnell transferierbar,
- praktisch nicht konfiszierbar (bei korrekter Verwahrung), NOCH, S. QUANTENCOMPUTER
- ideal für digitale Vermögensübertragung.
Jüngere Anleger sehen Bitcoin deshalb häufig als „digitales Gold“.
Bear Case Bitcoin
Gold besitzt Vertrauen, weil Generationen ihm vertraut haben. Bitcoin besitzt Vertrauen, weil Millionen Menschen heute daran glauben. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Bitcoin hat:
- regulatorische Risiken,
- technologische Risiken, , SIEHE QUANTENCOMPUTER
- deutlich höhere Volatilität.
Selbst viele institutionelle Investoren betrachten Bitcoin bislang eher als spekulativen „Wertspeicher“ denn als vollwertigen Ersatz für Gold.