Luxusautos: Ferrari glänzt, Porsche kämpft. Ist Luxus noch ein gutes Investment?
Bear Case: Warum Luxusautos trotzdem riskante Investments sind
- China und die Konjunktur: Porsches Auslieferungen in China fielen 2025 um 26 %. Wohlhabende Käufer sind also keineswegs vollständig immun gegen wirtschaftliche Schwäche.
- Elektrifizierung als Risiko: Hohe Entwicklungskosten, unsichere Nachfrage nach elektrischen Supersportwagen und neue Wettbewerber gefährden die Margen. Ferrari und Porsche müssen dabei ganz unterschiedliche Kundenerwartungen bedienen.
- Hohe Aktienbewertungen: Die beste Luxusmarke ist nicht zwangsläufig die beste Aktie. Anfang September 2026 wurde Ferrari mit etwa dem 40-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet, Porsche dagegen mit etwa dem 23-Fachen. Das schafft bei Ferrari ein erhebliches Enttäuschungspotenzial.
Bull Case: Warum Luxusautos attraktiv bleiben könnten
- Weltweit wachsende Zahl vermögender Kunden: Die Nachfrage im obersten Luxussegment ist weniger von Einkommen und Konjunktur abhängig als im normalen Automobilmarkt. Gerade streng limitierte Fahrzeuge profitieren von ihrer Seltenheit.
- Enorme Preissetzungsmacht: Ferrari konnte im zweiten Quartal 2026 eine EBIT-Marge von 31,2 % erzielen. Personalisierungen und Sondermodelle erhöhen den Ertrag, ohne dass die Stückzahlen entsprechend wachsen müssen.
- Starke Marken als Burggraben: Ferrari, Porsche und Bugatti verfügen über jahrzehntelang aufgebautes Markenprestige. Neue Wettbewerber können Leistung und Technik kopieren, aber nicht ohne Weiteres Geschichte und Exklusivität.
Ex-ante Vermutung: Porsche könnte der bessere Turnaround sein
Porsche hat bereits im ersten Halbjahr 2026 seine operative Umsatzrendite wieder auf 7,8 % verbessert. Das zeigt, dass die außergewöhnlich schwachen Ergebnisse von 2025 nicht unbedingt das neue Normalniveau darstellen.
Exkurs Bugatti: eine interessante Geschichte, aber keine eigenständige Börsenanlage
Hier gibt es eine wichtige aktuelle Veränderung: Porsche hat seine Beteiligungen an Bugatti Rimac und der Rimac Group am 9. September 2026 vollständig verkauft. Dafür flossen rund 1 Mrd. Euro an Porsche. Bugatti gehört damit nicht mehr über Porsche zum VW-Konzern.
Bugatti eignet sich deshalb als Beispiel für Ultra-Luxus und extreme Exklusivität, nicht aber als unmittelbar investierbare Aktie.
| Unternehmen | Investmentthese | Hauptrisiko |
| Ferrari | Qualitätswachstum durch Knappheit | Zu hohe Bewertung |
| Porsche | Margenerholung und Turnaround | Struktureller Margenverlust |
| Bugatti | Extremes Luxussegment als Vergleichsmaßstab | Nicht direkt investierbar |
1. Der entscheidende Unterschied: Luxus ist nicht gleich Luxus
Ferrari verkauft nicht einfach Sportwagen, sondern vor allem Exklusivität, Prestige und Knappheit. Porsche produziert dagegen in erheblich größeren Stückzahlen und ist entsprechend stärker dem normalen Automobilzyklus ausgesetzt. Das zeigt der Blick auf die Zahlen:
| Kennzahl | Ferrari | Porsche AG |
| Fahrzeuge 2025 | 13.640 | ca. 279.400 |
| EBIT-Marge 2025 | 29,5 % | 1,1 % |
| Positionierung | Luxus / Ultra-Luxus | Premium / Luxus |
| Abhängigkeit von Stückzahlen | Geringer | Deutlich höher |
| Preissetzungsmacht | Sehr hoch | Selektiv hoch |
Die Zahlen zeigen einen bemerkenswerten Gegensatz. Ferrari konnte 2025 trotz leicht rückläufiger Auslieferungen den Gewinn steigern. Porsche hingegen erlebte einen massiven Gewinneinbruch.
ABER WARUM verdient Ferrari mit viel weniger Autos so viel profitabler als Porsche, und rechtfertigt das die erheblich höhere Bewertung der Ferrari-Aktie?
Und Vorsicht: Das bessere Unternehmen muss nicht die bessere Aktie sein!
2. Geschäftsmodell Ferrari
Ferrari entwickelt und produziert exklusive Sportwagen, Supersportwagen und limitierte Sondermodelle. Hinzu kommen hochprofitable Individualisierungen, Ersatzteile, Dienstleistungen sowie Lizenz- und Markengeschäfte. Das Unternehmen setzt bewusst auf künstliche Verknappung und hohe Verkaufspreise. Anders als klassische Automobilhersteller strebt Ferrari nicht nach möglichst hohen Stückzahlen, sondern nach maximalem Ertrag je Fahrzeug.
Einzigartiger Burggraben: Ferrari verfügt über eine der begehrtesten Marken weltweit. Exklusivität, jahrzehntelange Motorsportgeschichte und begrenzte Produktionskapazitäten ermöglichen eine außergewöhnliche Preissetzungsmacht. Die EBIT-Marge von über 30 % liegt weit über dem Niveau klassischer Premiumautohersteller.
Bull case
- Wachstum ohne nennenswertes Volumenwachstum: Individualisierungen, teure Sondermodelle wie der F80 und höhere durchschnittliche Verkaufspreise treiben die Erträge. Im zweiten Quartal 2026 stieg das EBIT um 10 %, obwohl weniger Fahrzeuge ausgeliefert wurden. Der Auftragsbestand deckt bereits das gesamte Jahr 2027 ab.
- Luxusgüter statt Automobilzyklus: Die Kundschaft zählt überwiegend zu den sehr vermögenden Käufern, deren Konsumverhalten weniger von Zinssätzen oder Konjunkturzyklen abhängt. Ferrari kann zudem mit neuen Modellen wie dem Elektro-Ferrari Luce zusätzliche Kunden ansprechen.
Bear Case
- Ambitionierte Bewertung: Ein geschätztes KGV von rund 36 für 2026 setzt dauerhaft hohe Margen und anhaltendes Gewinnwachstum voraus. Selbst eine moderate Enttäuschung könnte eine kräftige Bewertungskorrektur auslösen.
- Risiko der Verwässerung der Exklusivität: Mehr Modelle, höhere Stückzahlen und die Erschließung neuer Kundengruppen könnten langfristig die Knappheit der Marke beeinträchtigen. Gerade die Elektrifizierung birgt das Risiko, traditionelle Ferrari-Kunden zu enttäuschen.
- Wachstum strukturell begrenzt: Das Geschäftsmodell lässt keine beliebige Ausweitung der Produktion zu. Zudem können Handelszölle, Währungseffekte und eine schwächere Vermögensentwicklung der Zielgruppe die Nachfrage und Profitabilität belasten.
Ferrari-Fazit: BULL
Ferrari verfügt über einen nahezu unangreifbaren Burggraben aus Markenstärke, Exklusivität, Preissetzungsmacht und Kundenloyalität. Die hohe Ertragskraft ist strukturell begründet und nicht nur Ausdruck eines günstigen Automobilzyklus.
Mit einem geschätzten KGV von rund 32 für 2027 ist die Aktie teuer, angesichts des außergewöhnlichen Geschäftsmodells aber nicht zwangsläufig überbewertet. Die heutige Bewertung begrenzt allerdings das Kurspotenzial. Ferrari ist ein langfristig attraktiver Qualitätswert. Für einen Neueinstieg wäre eine deutlich günstigere Bewertung vorzuziehen.
3. Geschäftsmodell Porsche
Bull Case
- Starke Marke mit Erholungspotenzial: Der Porsche 911 bleibt eine der begehrtesten Sportwagenikonen. Seine Auslieferungen stiegen in den ersten neun Monaten 2026 um 12 %, obwohl der Konzern insgesamt 16 % weniger Fahrzeuge verkaufte. Das deutet darauf hin, dass die Kernmarke weiterhin intakt ist.
- Erhebliches Margenpotenzial: Im Rahmen der neuen Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ strebt Porsche mittelfristig wieder operative Margen von 10–15 % an. Kostenabbau, weniger Modellvarianten und ein höherer Individualisierungsanteil könnten eine deutliche Ergebnissteigerung bewirken.
- Turnaround-Hebel: Die Aktie notiert weit unter dem Ausgabepreis von 82,50 € aus dem Jahr 2022. Sollte Porsche seine Profitabilität nachhaltig verbessern, könnte dies eine Neubewertung auslösen.
Bear Case
- Strukturelle Schwäche in China: In den ersten neun Monaten 2026 brachen die Auslieferungen in China um 33 % ein. Einheimische Wettbewerber gewinnen insbesondere bei Elektroautos an Bedeutung.
- Verfehlte Produktstrategie und hohe Kosten: Die Transformation zur Elektromobilität hat Porsche erheblich belastet. Modellwechsel, hohe Entwicklungsaufwendungen und eine komplexe Konzernstruktur drücken auf die Rentabilität. Trotz der Erholung im ersten Halbjahr erwartet Porsche für 2026 lediglich eine operative Marge von 5,5–7,5 %.
- Kein offensichtliches Bewertungsschnäppchen: Ein Forward-KGV von rund 24 erscheint angesichts der aktuellen Profitabilität anspruchsvoll. Hinzu kommen die Abhängigkeit vom Volkswagen-Konzern, mögliche Interessenkonflikte in der Konzernführung sowie Risiken durch Zölle und eine schwächere Nachfrage.
Porsche-Fazit: BEAR
Der Burggraben von Porsche basiert vor allem auf der Marke 911, technischer Kompetenz und der weltweiten Kundenbasis. Anders als Ferrari kann Porsche seine Exklusivität jedoch nicht über das gesamte Produktportfolio im gleichen Maße in Preissetzungsmacht umsetzen.
Die Aktie ist seit dem Börsengang stark gefallen. Bei einem geschätzten Forward-KGV von rund 24 und weiterhin beträchtlichen operativen Risiken ist die Bewertung aber noch kein überzeugender Kaufgrund. Die neue Strategie eröffnet durchaus erhebliches Turnaround-Potenzial, dessen Umsetzung erst bewiesen werden muss.
Entscheidung: BEAR. Porsche bleibt zunächst eine spekulative Turnaround-Wette. Ein Einstieg erscheint erst bei belastbaren Fortschritten bei Marge, Cashflow und China-Geschäft attraktiver.
Fazit Ferrari oder Porsche: Wer baut die besseren Autos, wer die bessere Aktie?“
Ferrari ist weniger ein Autohersteller als ein Luxusgüterkonzern auf Rädern. Porsche hingegen muss erst beweisen, dass es seine frühere Profitabilität zurückgewinnen kann. Ferrari besitzt den stärkeren Burggraben, während Porsche bei erfolgreicher Margenerholung möglicherweise das größere Kurspotenzial bietet.