Börsengang von SpaceX:

Völlig verrückt geworden

Kommenden Freitag ist es so weit. Dann landet der größte Börsengang aller Zeiten auf der Erde. Das Weltraumunternehmen SpaceX betritt die Börsensäle dieser Welt und alle bejubeln dieses Going Public.

Die Investmentbank JP Morgan und 22 weitere Institute bringen dann also Elon Musks Space Unternehmen an die Börse, genau genommen sollen bei einem Emissionspreis von 135 Dollar rund 78 Milliarden Dollar eingesammelt werden.

Bei diesem Preis kommt SpaceX auf eine aberwitzige Bewertung von 1,77 Billionen Dollar. Mein lieber Schwan, das ist ja mal ein hübsches Sümmchen.

Auch in Deutschland können Anleger an diesem Hype teilnehmen und die Aktie zeichnen. Die Zeichnungsfrist endet am morgigen Donnerstag. Vor allem Trade Republik und andere Onlinebanken trommeln mächtig für diese einzigartige Chance, sich einige Aktien von SpaceX einverleiben zu können.

Ich bin in den letzten Tagen wiederholt auf diese Emission angesprochen worden, was ich davon hielte und ob man sich daran beteiligen soll, beteiligen muss oder lieber die Finger davonlassen solle.

Also mal davon abgesehen, dass es völlig offen ist, ob deutsche Zeichner tatsächlich Aktien von SpaceX zugeteilt bekommen oder nicht, will ich erst mal einen Faktencheck präsentieren. Und der hat es echt in sich.

Immer dann wenn es darum geht, eine Börsenemission „wirklich“ zu bewerten, sind drei Dinge zu prüfen: die Bewertung der Aktie, die Zukunftsaussichten und die Governance.

Die Bewertung von SpaceX

Normalerweise bewertet man einen Börsengang auf Basis des Kurs-/Gewinnverhältnisses (KGV). Das setzt natürlich voraus, dass das Unternehmen auch einen Gewinn erwirtschaftet. Damit ist bei SpaceX schon mal Essig. Das Unternehmen hat nämlich bislang noch keinen Gewinn erwirtschaftet, sondern im letzten Jahr einen Verlust von 5 Milliarden Dollar.

Als Hilfskonstruktion wird dann gerne das Kurs-/Umsatzverhältnis (KUV) genommen. SpaceX kam vergangenes Jahr auf einen Umsatz von 19 Milliarden Dollar. Ins Verhältnis gesetzt zum angepeilten Börsenwert kommt der schlaue Rechner schnell auf ein KUV von 93. Passt das? Zum Vergleich: Amazon kam bei seinem Börsengang auf ein KUV von 28. Rechnen Sie bitte selbst nach, was also von einem KUV von 93 zu halten ist.

Die Zukunftsaussichten

Nach Elon Musk sind die Zukunftsaussichten „grandios“. Das muss er natürlich sagen und vermutlich glaubt er es auch selbst. Allerdings ist für mich wichtig, welche Fundamentaldaten hier vorliegen oder anders, was macht eigentlich SpaceX genau?

SpaceX ist nicht nur ein Unternehmen, das Raketen ins All schießt. Starlink (Satelliten) gehört auch dazu, aber auch die Social Media Plattform „X“ und die KI-Firma „xAI“. Solche unübersichtlichen Strukturen wurden an der Börse früher als „Konglomerate“ bezeichnet, die eher einen Kursabschlag verdient hätten. Heute wird diese Konstruktion anscheinend bejubelt, als wäre es der Stein der Weisen.

Die Governance

Mit „Governance“ werden die Machstrukturen in einer Firma bezeichnet. Nach dem Börsenprospekt will sich Elon Musk 85 Prozent der Stimmrechte zusichern lassen. Sowas kennen wir auch von Facebook und Google. Allerdings: Dass sich alle Entscheidungsgewalt in der Hand einer einzigen Person konzentriert, die sich am Ende nur selbst entlassen kann, ist erstens gefährlich und hat zweitens mit modernen Führungsstrukturen wenig zu tun.

Fazit: Wenn ich mir die Fakten genau anschaue und sie gewichte, muss ich ganz einfach zu dem Schluss kommen, dass SpaceX keine gute Idee ist. Nicht zu diesem irrwitzigen Preis. Allerdings glaube ich schon, dass die ersten Börsenkurse noch keine negativen Überraschungen bringen werden. Die kommen meines Erachtens erst am Ende der Lock-Up-Periode von 70 Tagen.

Zum Schluss empfehle ich nochmal einen Blick in den Börsenprospekt. Dort steht doch tatsächlich, dass „bis zum Jahr 2050“ eine Million Menschen auf dem Mars angesiedelt werden sollen. Dank SpaceX.

Das sagt alles und da sage ich „völlig verrückt geworden“. SpaceX ist ein interessantes Unternehmen. Aber nicht zu diesem Preis. Niemals.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“

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