Das Abkommen,

das keines ist

Da muss man schon mal den Atem anhalten: Das Iran-USA Abkommen soll kommenden Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden, virtuell soll es schon signiert sein. Ein Abkommen, das von allergrößter Wichtigkeit für die Zukunft vieler Völker ist.

Aber: Bis zum heutigen Tage kennt kaum jemand den wirklichen Inhalt dieses Papiers, wie zu hören ist, selbst die Teilnehmer des jüngsten G7 Gipfels nicht, und auch unser Bundesaußenminister murmelte sich dieser Tage vor den Kameras einen zusammen, was denn die Bundesregierung in der Sache zu tun gedächte.

Dabei ist das, was in diesem Papier steht oder eben auch nicht, von allergrößter Bedeutung für die Volkswirtschaften dieser Welt, selbstredend auch für die deutsche Konjunktur. Wenn ich das richtig sehe, handelt es sich aber bei diesem großspurig „Abkommen“ genannten Papier lediglich um ein „Memorandum of Understanding“.

Ein Memorandum of Understanding ist etwas mehr wert als eine Absichtserklärung, aber darüber hinaus ist da nicht viel an Substanz, vor allem nicht in völkerrechtlicher Sicht.

So gesehen ist es mehr als erstaunlich, dass die Finanzmärkte bis heute den wahren Wert oder Unwert dieses Papiers nicht erkennen wollen oder nicht erkennen können. Ökonomisch ist da in der Tat noch sehr vieles offen und ungeklärt. Die wirtschaftlichen Folgen des Iran Krieges werden noch lange anhalten, die Märkte haben die langfristigen Auswirkungen dieses Konfliktes noch längst nicht eingepreist.

Wahr ist aber, dass etwa die Inflationsrisiken auch nach diesem „Deal“ nicht gebannt sind, ganz im Gegenteil. Auch sinkende Ölpreise reichen da nicht aus. Nicht umsonst hat die Europäische Zentralbank das erste Mal seit fast drei Jahren die Zinsschraube wieder nach oben bewegt. Wahr ist auch, dass die für Deutschland so wichtigen Lieferketten nach wie vor in Gefahr sind. Es gibt ja nicht nur die Straße von Hormus, die immer wieder ins Visier geraten können, sondern eben auch andere gefährdete Schifffahrtsrouten. Völlig ungeklärt ist übrigens auch, ob Donald Trump seinen Buddy Netanjahu einzufangen in der Lage sein wird.

Was ich eigentlich sagen will: Die Jubelstimmung an der Börse ist hochgefährlich. Wenn Markteilnehmer glauben, dass alle Risiken irgendwie und irgendwann sich in Luft auflösen, dann ist höchste Vorsicht geboten. Ich persönlich glaube an heftige Rücksetzer in nächster Zeit.

Diese Kolumne habe ich – wie immer – ohne Hilfe irgendeiner KI geschrieben. Aber mit Herzblut.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“

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