#14 Space X

Bei SpaceX ist die eigentliche Frage längst nicht mehr „Raketen oder nicht?“. Die entscheidende Frage lautet: Ist Starlink das nächste globale Telekom-Monopol oder nur ein sehr gutes Nischenprodukt? Davon hängt ein Großteil der Bewertung ab. Menschen lieben es, über Mars-Missionen zu sprechen. Die Gewinne kommen dagegen meist aus langweiligem Internetzugang. Wie so oft finanziert die Realität die Vision.

Bull Case 🟢 1. Starlink könnte die Telekom-Branche massiv angreifen

Starlink ist inzwischen der mit Abstand wichtigste Gewinnbringer des Konzerns. Mehrere Analysen kommen zum Schluss, dass Starlink den Großteil des operativen Gewinns erwirtschaftet, während andere Bereiche deutlich kapitalintensiver sind.

Der eigentliche Bull Case lautet:  – Glasfaser kostet Milliarden an Tiefbauinvestitionen.

  • Starlink benötigt lediglich ein Terminal beim Kunden.
  • In ländlichen Regionen, Schwellenländern, auf Schiffen, Flugzeugen und Militärstandorten ist Starlink oft die bessere Lösung.
  • Jeder neue Kunde erhöht die Auslastung des Netzes bei relativ geringen Grenzkosten.

Wenn Starlink 50-100 Mio. Kunden erreicht, könnten erhebliche Teile der Investitionen traditioneller Telekomunternehmen wirtschaftlich entwertet werden.

Das erinnert an Netflix gegen Kabelfernsehen oder Amazon gegen Einkaufszentren.

2. Quasi-Monopol bei Raumfahrtstarts

SpaceX dominiert den kommerziellen Raketenmarkt. Konkurrenzprogramme wie Kuiper, Ariane oder diverse staatliche Anbieter kämpfen mit Kosten- und Zeitproblemen.

Je mehr Satelliten SpaceX startet, desto stärker wird Starlink. Je größer Starlink wird, desto mehr Raketenstarts werden benötigt. Das ist ein selbstverstärkender Kreislauf.

3. Tesla-Integration wäre ein gigantischer Hebel

Der Markt spekuliert seit Jahren über mögliche Synergien:  – Starlink-Terminals in Tesla-Fahrzeugen    – globale Fahrzeug-Konnektivität  -autonome Flotten mit Satellitenanbindung

  • Energienetze über Tesla Energy

Noch ist das weitgehend Vision, aber Visionen werden an der Börse manchmal bewertet, als seien sie bereits Realität. Manchmal sogar doppelt.

4. Militär- und Staatskunden   Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass Starlink militärisch relevant ist.  Viele Staaten werden künftig kaum akzeptieren, dass ihre Kommunikation ausschließlich über Glasfaser läuft.  Ein zweites großes Geschäftsfeld neben Privatkunden entsteht.

5. Elon-Musk-Prämie  Man kann Musk mögen oder nicht.

Die Kapitalmärkte finanzieren ihm regelmäßig Projekte, die andere Unternehmen nie finanzieren könnten. Das allein besitzt einen erheblichen ökonomischen Wert.

Bear Case 🔴

1. Die Bewertung ist extrem hoch

Nach dem Börsengang wurde SpaceX zeitweise mit über 2 Billionen USD bewertet. Selbst nach den jüngsten Kursrückgängen bewegt sich die Bewertung noch um etwa 2 Billionen USD.

Zum Vergleich:

  • Umsatz 2025: ca. 18,7 Mrd. USD
  • Nettoverlust 2025: ca. 4,9 Mrd. USD

Selbst optimistische Analysten weisen darauf hin, dass SpaceX mit extrem hohen Umsatzmultiplikatoren gehandelt wird. Anders formuliert:

Der Markt bewertet heute bereits einen Großteil des Erfolgs der nächsten 10 bis 15 Jahre.

2. Starlink könnte technologisch überschätzt werden

Die Gegenargumente:

  • Glasfaser bleibt technisch überlegen.
  • In Städten ist Glasfaser oft schneller und günstiger.
  • Amazons Projekt Kuiper könnte Marktanteile angreifen.
  • Regulierungen und Frequenzvergaben könnten das Wachstum bremsen.

Starlink dürfte Gewinner werden. Die Frage ist nur, ob daraus wirklich ein Billionen-Dollar-Geschäft entsteht.

3. ESG-Katastrophe

MSCI hat SpaceX jüngst die schlechteste mögliche ESG-Bewertung (CCC) gegeben. Kritisiert werden insbesondere:

  • hohe Machtkonzentration bei Elon Musk
  • geringe Board-Unabhängigkeit
  • schwache Governance-Strukturen
  • kontroverse Unternehmensführung

Für viele europäische Fonds könnte dies dauerhaft ein Ausschlusskriterium bleiben.

4. Starship bleibt ein Milliardenrisiko

Der Markt tut teilweise so, als wäre Starship bereits erfolgreich. Tatsächlich:

  • enorme Entwicklungskosten
  • regulatorische Risiken
  • technische Risiken

Scheitert Starship dauerhaft, fällt ein wesentlicher Teil der langfristigen Investmentstory weg.

5. Musk-Risiko

Musk kontrolliert weiterhin über 80 % der Stimmrechte.  Investoren müssen akzeptieren:

  • kaum Einfluss
  • unvorhersehbare Kapitalallokation
  • mögliche Quersubventionierungen zwischen seinen Firmen

Man kauft nicht nur SpaceX. Man kauft auch Musks Laune am jeweiligen Dienstagmorgen.


Meine Bewertung

Operatives Geschäft: 9/10

Starlink ist wahrscheinlich eines der besten Infrastruktur-Assets der Welt.

Wettbewerbsvorteil: 10/10

Raketen + Satelliten + Netzbetrieb in einer Hand ist praktisch einzigartig.

Governance: 3/10

Die ESG-Kritik ist nicht aus der Luft gegriffen.

Bewertung: 2/10

Hier liegt das Problem.


FAZIT: Kauf oder Verkauf?

Unternehmensqualität: Kauf.

Aktie: eher Halten bis leichter Verkauf.

Wäre SpaceX mit 500-800 Mrd. USD bewertet, würde ich klar auf Kauf plädieren.

Bei rund 2 Billionen USD Marktkapitalisierung scheint mir bereits eingepreist zu sein:

  • globale Starlink-Dominanz,
  • Erfolg von Starship,
  • erfolgreiche KI-Expansion,
  • weitere Musk-Wunder.

Das ist eine Menge Vorschussvertrauen für ein Unternehmen, dessen einziger wirklich großer Gewinnbringer derzeit Starlink ist.

Für einen Value-Investor wäre SpaceX auf dem aktuellen Niveau eher ein faszinierendes Unternehmen, aber keine offensichtliche Schnäppchenaktie. Die Börse behandelt SpaceX derzeit ein wenig so, als wären Mars-Kolonien bereits im Bau und die ersten Bewohner hätten schon ihre Starlink-Rechnung bezahlt.

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