Das Drama nimmt seinen Lauf
Vor gut einem Monat habe ich in meiner Kolumne zum Börsengang von SpaceX das Going Public als „völlig verrückt geworden“ kommentiert. Naja, es ist im Grunde auch genauso gekommen. Stark angefangen, stark nachgelassen könnte man den bisherigen Verlauf ganz gut kommentieren.
Doch die Frage aller Fragen ist jetzt: Wie geht´s denn nun weiter mit dieser atemberaubenden Aktie? Raketengleicher Aufstieg oder Rohrkrepierer, dazwischen gibt es wahrscheinlich nicht so viele Alternativen.
Vermutlich ist es ganz wichtig, die Rahmenbedingungen mal eben zu checken. Noch nie in der Geschichte der US-Technologiebörse Nasdaq ist ein Titel schneller in einen Index aufgenommen worden, genauer in den Nasdaq 100, als eben SpaceX. Von der Erstnotiz am 12. Juni bis zum gestrigen Dienstag sind knapp vier Wochen vergangen.
Warum dieser wundersame Indexaufstieg so wichtig ist, erklärt sich sofort. Passiv verwaltete Fonds und ETF, die den Nasdaq 100 abbilden, müssen nun SpaceX Aktien kaufen, was aller Voraussicht nach aktuell zu steigenden Kursen in der Aktie führt. Ich will jetzt auch gar nicht darüber räsonieren, wer alles daran „gedreht“ hat, dass SpaceX dermaßen schnell den Indexaufstieg geschafft hat. Man ist ja seit der Fußball-WM so einiges gewohnt.
Aber Achtung: Ob dieser vermeintliche und erwartete Kursanstieg auf Dauer zu halten ist, ist eine Wette mit völlig unsicherem Ausgang. Das Damoklesschwert heißt in diesem Falle nämlich „Lock-up-Periode“.
Diese Lock-up-Periode (Sperrfrist) ist ein vertraglich geregelter Zeitraum nach einem IPO (Börsengang), in dem Altaktionäre, Insider, Unternehmensgründer und frühere Investoren daran gehindert werden, ihre Aktien zu verkaufen.
Wann also ist mit der ersten Welle von Verkäufen aus dieser Gruppe zu rechnen? Das wird Ende Juli oder Anfang August sein, direkt nach der Veröffentlichung des ersten Quartalsberichtes.
Zu diesem Zeitpunkt werden mindestens 20 Prozent der bis dahin gesperrten Aktien für den Handel freigegeben. Sollte der Kurs dann 30 Prozent über dem Emissionspreis liegen, würde die Sperrfrist für weitere 10 Prozent der Aktien fallen.
Weitere Lock-up Fristen sind dann noch bis 180 Tage nach dem Going Public vertraglich vereinbart.
Was sagt uns das jetzt alles? Meines Erachtens nimmt das Drama in allernächster Zeit seinen Lauf. Die Aktien von SpaceX werden dramatisch fallen. Ich erkläre das mit dem Flaschenhals Effekt des Börsengangs von SpaceX. Es ist ja nur – relativ gesehen – ein sehr kleiner Teil des gesamten Aktienvolumens von SpaceX an die Börse gekommen. Der Druck, der nach dem Auslaufen der ersten Lock-up-Periode aber dann auf die Aktie ausgeübt werden wird, ist dagegen immens. Das Verkaufsvolumen wird einfach riesig sein.
Da kommt eine Art Börsentsunami auf die Aktionäre zu. Rette sich, wer kann. Oder will.
Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.
Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“
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