Nach Shortsellerattacke:

Kein Bock mehr auf Ottobock?

Rumms, da haben wir den Salat. Am gestrigen Dienstag hatte der Prothesenhersteller Ottobock seine jährliche Hauptversammlung abgehalten, was jetzt nicht besonders aufregend klingt. Doch am selben Tag veröffentlichte Grizzly Research ein Aufsehen erregende Studie, die es wirklich in sich hatte.

Grizzly Research kritisiert vor allem eine „aggressive“ Bilanzierungspolitik, sowie die Rolle des Unternehmens in Russland. Außerdem gäbe es Interessenkonflikte zwischen dem Verwaltungsratschef Hans Georg Näder und dem Streubesitz.

Garniert ist der Report mit Auszügen aus der Yellow Press, die Näder etwa am Steuer einer Yacht zeigt, umringt von jungen Damen im Bikini.

Grizzly Research, einer der bekanntesten Adressen im Shortseller Business, sieht den fairen Wert der Aktie von Ottobock bei rund 30 Euro und damit sehr, sehr deutlich unter dem Emissionspreis von 66 Euro im Oktober letzten Jahres und auch noch erheblich unter der aktuellen Börsennotiz von um die 60 Euro.

Kein Wunder, dass nach dem Bekanntwerden der Shortseller Attacke der Kurs von Ottobock ziemlich abschmierte. Gestern notierte die Aktie teilweise unter 53 Euro, heute nur wenig besser mit 54,10 Euro.

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Shortseller: Fluch oder Segen?

Leerverkäufer sind das Krebsgeschwür der Finanzmärkte, Verbrecher, Strauchdiebe. So schimpfen deren Gegner. Leerverkäufer, auch Shortseller genannt, decken lediglich Probleme auf, die ein Unternehmen bereits hat, aber der Markt noch nicht kennt. Sie leisten somit einen wertvollen Nutzen für die Allgemeinheit, so die Befürworter.

Ein Glaubenskrieg? Kann sein. Für mich ist ausschließlich die Frage interessant, ob ich mit Shortseller-Analysen meinen Lesern einen Mehrwert bieten kann. Ich bin überzeugt davon, dass das kluge Ausnutzen der Shortseller Aktivitäten eine prima Sache für den Anleger sein kann. Die smarten Jungs hören eben oft das Gras wachsen oder riechen vice versa nicht selten den faulen Braten.

Wenn sich Leerverkäufer einer Aktie „annehmen“, also short gehen, kann dies ein klares Indiz sein, den Wert zu meiden. Oder ihn zu verkaufen. Ebenso spannend ist aber, wenn die Shortseller das Interesse an einem Titel verlieren, also gewissermaßen von ihm „ablassen“. Hier ist es nicht verkehrt, an einen Kauf dieser Aktie zu denken.

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Und nun?

Ist der größte Prothessenhersteller der Welt wirklich ein Sanierungsfall und so gruselig, wie Grizzly Research das Unternehmen darstellt?

Machen wir uns klar, dass Shortseller oft ein Unternehmen schlecht reden, um anschließend von fallenden Kursen direkt zu profitieren. Wenn in einer solchen Studie vor provokanten Bildern nicht zurückgescheut wird, siehe auch die oben besagten anzüglichen Bilder aus irgendwelchen Illustrierten, und geschickt verpackte „Mutmaßungen“, dann ist der Verdacht auf eine manipulative Absicht nicht von der Hand zu weisen.

Für mich scheint das Verhalten von Grizzly Research ziemlich eigensüchtig zu sein. Immerhin weist Grizzly in seiner Studie gegen Ottobock darauf hin, dass es sich im Report um „Meinungen“ handle und nicht etwa auf Fakten.

So gesehen neige ich zu der Einschätzung, dass es sich hier mehr um eine hinterhältige Aktion mit klaren Absichten handelt, nämlich die Aktie runterzuprügeln, um am Ende dick Kasse zu machen.

Die Aktie geht also nicht am Stock. Das hoffe ich zumindest.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“

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