Mogelpackung Tagesgeld:

Wo 4 Prozent draufsteht, ist in Wahrheit p.a. viel weniger drin

Wenn ich durch Deutschlands Straßen fahre, poppen mir an den Werbeplakaten neben den unvermeidlichen Angeboten für das Altersvorsorgedepot (viel zu früh übrigens!) vor allem fantastische Zinsangebote für Tages- und Festgelder entgegen.

Den sprichwörtlichen Vogel schießt dabei die Chase Bank ab, die mit „vier für vier“ einen neuen Slogan entdeckt hat, der so großspurig wie auch verräterisch ist, zumindest beim genauen Hinsehen.

Worum geht´s also bei diesem großformatigen Versprechen der Chase Bank? Ganz einfach, sie zahlt für die ersten vier Monate vier Prozent Zinsen (per annum) auf ein Tagesgeld bis zu einer halben Million Euro. Danach sinkt der Zins (per annum) auf nur noch zwei Prozent.

Warum macht die Chase Bank das? Ganz einfach, sie will neue Kunden gewinnen, was ja im Prinzip auch völlig ok ist, wenn man es mit der Mogelei nicht übertreibt.

Übertreibt die Chase Bank ihre Werbemogelei? Nun ja, das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Zunächst einmal machen andere Banken solche „Spielchen“ auch und zum anderen hoffe ich immer noch sehr auf den gesunden Menschenverstand bei den meisten Anlegern, die solche Bauerntricks durchschauen.

Aber auf der anderen Seite fürchte ich halt auch, dass der eine oder andere Anleger sich einlullen lässt, was ja am Ende genau der Grund für die heutige Kolumne ist.

Zurück zur Chase Bank und ihren vier Prozent. Der schnelle Rechner weiß glasklar eines: Wenn das Jahr 12 Monate hat und ich für vier Monate vier Prozent Zinsen (p.a.) bekommen und für die restliche acht Monate nur noch zwei Prozent (p.a.) dann sind das unterm Strich weniger als drei Prozent Zinsen aufs Jahr. Damit schnurrt das vermeintlich fantastische Angebot der Chase in sich zusammen auf „na, geht so“.

Wie man es noch mehr übertreiben kann, zeigt aber die Neobank „Revolut“. Die bietet sogar 4,5 Prozent (p.a.), aber nur bis zu einer Höchstsumme von 25.000 Euro. Und das auch nur für vier Monate. Und danach fällt die Verzinsung auf nur noch 1,25 Prozent. Das reicht höchstens für „Pfui, Teufel“.

Ob Chase, ob Revolut, ob Trade Republik oder ob andere Institute, es gilt immer das folgende Fazit: Wer bei Tagesgeldangeboten sowohl in Sachen Volumenbegrenzungen als auch durch wechselnde Zinslaufzeiten unanständig in die Trickkiste greift, ist ein moralischer Falschmünzer. Mit anderen Worten, das ist in meinen Augen Schmu.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“

Tags: Börsebius, Kolumne, Finanzmärkte, Börsebius TopSelect, Chase Bank, Revolut, Trade Republik, Vier für Vier, Tagesgeld, Festgeld

Rechtliche Hinweise siehe Disclaimer

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