#21 150 Jahre Henkel

Henkel AG & Co. KGaA: 150 Jahre alt, aber ist die Aktie auch wieder jung genug?

Henkel feierte am 26. September 2026 exakt sein 150-jähriges Firmenjubiläum. Am 26. September 1876 gründete der damals 28-jährige Fritz Henkel gemeinsam mit zwei Partnern in Aachen die Firma Henkel & Cie. Das erste Waschmittel war noch kein großer Erfolg. Zwei Jahre später gelang mit der „Henkel’s Bleich-Soda“ der Durchbruch. Henkel

Geschäftsmodell

Henkel besteht heute im Wesentlichen aus zwei ziemlich unterschiedlichen Unternehmen unter einem Dach:

Adhesive Technologies steht inzwischen für rund 52 % des Umsatzes. Henkel ist hier Weltmarktführer bei Klebstoffen, Dichtstoffen und funktionalen Beschichtungen.

Bekannte Marken sind Loctite, Technomelt und Bonderite. Die Produkte gehen nicht nur an Heimwerker, sondern vor allem an Industriekunden aus mehr als 800 Branchen, darunter Auto, Elektronik, Verpackung und Maschinenbau. 2025 erzielte die Sparte 10,67 Mrd. € Umsatz und eine bereinigte EBIT-Marge von 16,7 %.

Consumer Brands liefert rund 47 % des Umsatzes und bündelt Wasch- und Reinigungsmittel sowie Haarpflege. Dazu gehören Marken wie Persil, Schwarzkopf, Pril, Bref und Syoss. Der Umbau der früher getrennten Bereiche Laundry & Home Care und Beauty Care ist inzwischen weitgehend abgeschlossen.

Das Interessante an Henkel ist damit gleichzeitig sein Problem: Ein hochattraktives industrielles Spezialchemiegeschäft lebt zusammen mit einem eher gemächlich wachsenden Konsumgütergeschäft. Eine wirtschaftliche Wohngemeinschaft, bei der einer Karriere macht und der andere zuverlässig den Kühlschrank auffüllt.

Aktuelle Entwicklung 2026

Das erste Halbjahr war besser, als der eher lethargische Aktienkurs vermuten lässt. Henkel erreichte 10,35 Mrd. € Umsatz, organisch +3,2 %.

Besonders stark war Adhesive Technologies mit +4,5 %, während Consumer Brands auf +1,7 % kam. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das organische Konzernwachstum sogar auf 4,7 %.

Der bereinigte EBIT stieg leicht auf 1,62 Mrd. €, die Marge von 15,5 auf 15,7 %. Das bereinigte EPS erreichte 2,86 €, währungsbereinigt ein Plus von 7,1 %.

Der Free Cashflow verbesserte sich von 485 auf 612 Mio. €.

Entsprechend erhöhte Henkel die Umsatzprognose. Für 2026 werden jetzt 1,5 bis 3,5 % organisches Wachstum erwartet, bei Adhesive Technologies sogar 2 bis 4 %. Die bereinigte EBIT-Marge soll zwischen 14,5 und 16,0 % liegen. Henkel

Ein wesentlicher Teil der Strategie besteht inzwischen aus Zukäufen. Henkel hat 2026 fünf Transaktionen mit einem Gesamtwert von rund 5 Mrd. € vereinbart. Dazu gehören ATP Adhesive Systems, Not Your Mother’s, OLAPLEX und die noch abzuschließende Stahl-Übernahme von Zusammen sollen die übernommenen Geschäfte etwa 2 Mrd. € zusätzlichen Jahresumsatz liefern.

Besonders Stahl ist strategisch interessant: Für 2,1 Mrd. € übernimmt Henkel ein Unternehmen mit rund 725 Mio. € Umsatz im Bereich Spezialbeschichtungen und stärkt damit das technologisch attraktivere Adhesive-Geschäft.

Bull Case

  • Adhesive Technologies ist der eigentliche Schatz des Konzerns. Henkel besitzt starke technologische Positionen, hohe Kundenbindung und teilweise erhebliche Wechselkosten. Das H1-Wachstum von 4,5 % und die EBIT-Marge von 17,7 % zeigen, dass dieses Geschäft sowohl Wachstum als auch Pricing Power liefern kann. Durch Stahl und ATP wird seine Bedeutung weiter steigen. Henkel
  • Die jahrelange Restrukturierung beginnt messbar zu wirken. Consumer Brands wächst zwar weiterhin langsam, aber Henkel hat Marken bereinigt, Strukturen zusammengelegt und die Profitabilität verbessert. Gleichzeitig wachsen Volumen und Preise inzwischen wieder gemeinsam, was wesentlich gesünder ist als rein inflationsgetriebenes Wachstum. Henkel
  • Die Bewertung ist für die Qualität ungewöhnlich moderat. Bei rund 74 € kostet die Vorzugsaktie auf Basis des Analystenkonsenses für 2026 von 5,48 € EPS nur etwa das 13,5-Fache des Gewinns, für 2027 rund 12,7-mal. Erwartet werden zudem rund 2,13 € Dividende für 2026. finanzen.net

Bear Case

  • Henkel bleibt strukturell ein eher langsamer Wachstumswert. Die mittelfristige Konzernambition beträgt lediglich 3 bis 4 % organisches Wachstum. Consumer Brands dürfte 2026 sogar nur 0,5 bis 2,5 % schaffen. Persil verkauft sich zuverlässig, aber Waschpulver wird durch KI leider auch nicht plötzlich zum Wachstumsmarkt. Henkel
  • Die aggressive M&A-Phase erhöht das Risiko. Im ersten Halbjahr verschlechterte sich die Nettofinanzposition von +109 Mio. € Ende 2025 auf -1,86 Mrd. €, vor allem wegen Übernahmen und Aktienrückkäufen. Nach Abschluss von Stahl steigt die finanzielle Belastung weiter. Henkel muss nun zeigen, dass die rund 5 Mrd. € Akquisitionsbudget tatsächlich ausreichende Renditen produzieren. Henkel
  • Consumer Brands besitzt weniger Preissetzungsmacht als das Klebstoffgeschäft. Der Wettbewerb mit Procter & Gamble, Unilever, L’Oréal und Handelsmarken ist intensiv. Gleichzeitig sind Rohstoff-, Währungs- und Marketingkosten erheblich. Damit bleibt ein Teil des Konzerns ein klassisches Konsumgütergeschäft ohne außergewöhnliche Wachstumsdynamik.

Bewertung

Die Henkel-Vorzugsaktie stand zuletzt bei rund 73,7 bis 73,9 €. Der FactSet-Konsens erwartet derzeit:

2026e2027e
Umsatz21,2 Mrd. €22,4 Mrd. €
EPS5,48 €5,83 €
KGV13,5x12,7x
Dividende2,13 €2,25 €
Dividendenrenditeca. 2,9 %ca. 3,0 %

Für einen Konzern mit rund 15 bis 16 % EBIT-Marge, solider Cash-Generierung und einem Weltmarktführer als größtem Geschäftsbereich erscheint ein KGV von 13 bis 14 nicht teuer.

Allerdings ist Henkel eben auch kein Unternehmen, bei dem regelmäßig 10 % organisches Wachstum vor der Tür steht.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Kapitalallokation: Das rund 1 Mrd. € schwere Aktienrückkaufprogramm wurde im März 2026 abgeschlossen. Henkel kaufte rund 11,4 Mio.  (= 6,4%!) Vorzugs- und 3,1 Mio. (= 1,2%) Stammaktien zurück.

Fazit: BULL

  • Burggraben: Auf Konzernebene mittel bis gut, innerhalb von Adhesive Technologies sogar stark. Loctite und die industriellen Klebstofftechnologien profitieren von Know-how, Kundenintegration, Zulassungen und Wechselkosten.

Bei Persil oder Schwarzkopf liegt der Burggraben dagegen überwiegend in Marke, Vertrieb und Skaleneffekten. Der zunehmend größere Adhesive-Anteil verbessert somit die Qualität des gesamten Konzerns.

  • Bewertung: Rund 13,5x 2026er Gewinn beziehungsweise 12,7x 2027 ist angesichts einer EBIT-Marge um 15 bis 16 %, verbesserter Wachstumsdynamik und steigender Bedeutung des hochwertigen Adhesive-Geschäfts attraktiv.

 Die Aktie muss für ein positives Szenario nicht einmal stark höher bewertet werden. EPS-Wachstum plus Dividende können bereits eine ordentliche Rendite erzeugen. finanzen.net

  • Entscheidung: BULL. Henkel ist kein spektakulärer Wachstumstitel, aber genau darin liegt momentan der Reiz: besseres Unternehmen, als die Bewertung vermuten lässt.
  • Der zentrale Investment Case ist weniger Persil als die fortschreitende Transformation zu einem stärker technologiegetriebenen Spezialchemie-/Klebstoffkonzern. Das Hauptrisiko ist, dass Henkel mit den Milliardenübernahmen Wachstum teuer einkauft und damit den derzeitigen Bewertungsvorteil verspielt.
  • Auf dem aktuellen Kursniveau überwiegt jedoch der Bull Case.

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Hinweis:
Bitte beachten Sie, dass es sich beim Format Börsebius TopResearch um einen ausschließlich journalistischen Beitrag handelt und in keinem Fall um eine individuelle Anlageberatung.

Rechtliche Hinweise siehe Disclaimer

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