Die Wundermasche des Goldhandels
Gold ist der Krisengewinner schlechthin. Wir kennen alle die Turbulenzen dieser Welt – Ukrainekrieg, Irankrieg, Trump sowieso als Einzelrisiko, Straße von Hormus, Ölpreisschock – und auch, was sie mit dem Goldpreis veranstalten. Der Preis für die Feinunze steigt und steigt, aktuell kostet sie über 5.000 Dollar. Viele fragen sich, wird der Preis für das Edelmetall weiter steigen, und, muss man da vielleicht sogar jetzt noch aufspringen?
Da ist es kein Wunder, dass sich Anleger auch an Angebote wagen, die „etwas“ außerhalb der Norm liegen. Und genau darum soll es in dieser Kolumne geben.
TGI: Goldhandel mit Rabatt
Das Prinzip von „Buy now, pay later“ (was auch nicht ungefährlich ist, aber das ist ein anderes Thema), hat die TGI aus Liechtenstein in „Kaufe jetzt und bekomme die Ware später mit einem erheblichen Discount“ umfunktioniert.
TGI steht demnach für „Trust Gold International“ mit Sitz in Liechtenstein und der Firmenchef heißt Helmut Kaltenegger. Just dieser wirbt in den Sozialen Medien mit hohen Rabatten auf sein Edelmetall. Danach erhalten Kunden bis zu 72 Prozent Rabatt, wenn sie nach Bezahlung drei Jahre auf die Auslieferung des Goldes warten. Das Gold werde bis dahin sicher bei Partnern hinterlegt.
Sein Geschäftsmodell bewirbt Kaltenegger als „einzigartig, sicher, transparent, nachhaltig, ethisch und planbar“. Es seien ihm zufolge bereits 70 Millionen Euro an Rabatten ausgeschüttet worden, mehr als 35.000 Kunden habe die TGI.
Mich wundert nicht, dass Verbraucherschützer vor dem Geschäftsmodell warnen. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg meint denn auch, dass „kein seriöser Anbieter“ solche Zusagen über Jahre garantieren könne.
Ich frage mich darüber hinaus, wie das rein rechnerisch gehen soll. TGI lagert das Gold für 3 Jahre ein, muss dafür die Ware aber zum Marktpreis bezahlen und gewährt dann dem Kunden 3 Jahre später einen Rabatt von 72 Prozent. Fräulein Milchmädchen lässt meiner Meinung nach grüßen.
Da liegt denn auch die Vermutung nahe, dass die Ware in Wirklichkeit gar nicht beschafft oder nicht in den nötigen Mengen beschafft wird, zumal laut TGI das „Rohgold“ aus Ghana kommen solle. Auch sagt TGI wenig dazu, wo das Gold sich denn jetzt genau befindet und wie die Existenz der Bestände dokumentiert wird.
Na klar, muss jeder selbst wissen, wie er mit solchen Angeboten umgeht. Gier frisst bekanntlich Hirn. Aber ich persönlich würde dieser Wundermasche mit der gehörigen Portion Misstrauen entgegentreten.
Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.
Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.
Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“