2. Geschäftsmodell
Die Platform Group war ursprünglich ein Softwareanbieter und ist inzwischen zu einer großen E-Commerce-Plattform für mehrere Gütergruppen geworden. Dazu zählen Konsumgüter, Frachtgüter, Industriegüter sowie Einzelhandel inklusive Brillen und Hörgeräte. Die Idee ist, dass immer mehr Partner und Produkte auf die Plattform kommen und das Geschäft dadurch überproportional wachsen kann. Dies war bisher der Fall. Der Umsatz ist 2025 um rund 40% gewachsen. Das durchschnittliche Wachstum der letzten Jahre beträgt gut 45% und dürfte auch 2026 in einer Größenordnung von 10% liegen. Das Unternehmen ist profitabel. Der Gewinn pro Aktie stieg von 1,50 Euro im Jahr 2023 auf 2,50 Euro im Jahr 2025. Der operative Cashflow war positiv (2023: 58 Mio. Euro, 2025: ca. 30 Mio. Euro). Dies ermöglicht weiteres Wachstum.
2. Bewertung der Aktie
Die Bewertung erscheint sehr niedrig mit einem KGV von 2 für 2026 und einem KUV von 0,3. Ein derart niedriges KGV ist jedoch auch ein Warnsignal für erhöhtes Risiko. Ein möglicher Grund könnte die vergleichsweise niedrige EBIT-Marge von rund 7% sein. Diese ist für ein Handelsunternehmen typisch, für ein Softwareunternehmen eher niedrig. Da die Platform Group beide Geschäftsmodelle vereint, ist dies jedoch vertretbar. Wichtig bleibt, dass Umsatzwachstum sich perspektivisch in höheren Margen und Free Cashflow niederschlägt. Der Cashflow von rund 30 Mio. Euro steht einer Marktkapitalisierung von ca. 85 Mio. Euro gegenüber, was ein sehr gesundes Verhältnis zu sein scheint
3. Geplante Übernahme AEP Pharma GmbH
Am 26.01.2026 wurde angekündigt, dass die Platform Group die AEP Pharma GmbH in Alzenau übernehmen möchte. Ein offizieller Kaufpreis wurde nicht genannt, Schätzungen liegen bei rund 150 Mio. Euro. Angesichts einer aktuellen Marktkapitalisierung von etwa 85 Mio. Euro ist dies eine sehr große Transaktion. Vergleichbar erscheint der Kauf von Sigma-Aldrich durch Merck KGaA im Jahr 2015 (Volumen: USD 17 Mrd. USD bei rund EUR 40 Mrd. Marktkapitalisierung). Damals fiel die Aktiemit über 25% innerhalb weniger Tage deutlich. Auch bei der Platform Group stellt sich die Frage, ob Synergien im Pharmabereich (ApoNow, DocGreen, apothekia) zusammen mit AEP realisiert werden können oder ob das Unternehmen sich finanziell übernimmt.
4. Fazit
Ohne die Übernahme wäre die Platform Group ein wachstumsorientierter Small Cap mit spekulativen, aber attraktiven Bewertungsmerkmalen. Durch die geplante Transaktion steigt das strukturelle Risiko erheblich. Das Größenverhältnis der Akquisition macht die Aktie eher zu einer Value-Falle. Daher würden wir aktuell sowohl von der Aktie als auch von der ausstehenden Anleihe Abstand nehmen.